
Mit 27 Gespannen gastierte die Internationale Sidecar Trophy im Rahmen des 23. Rupert Hollaus Rennens auf dem Red Bull Ring und bot den Zuschauern ein abwechslungsreiches Rennwochenende. Neben den etablierten Stammteams bereicherten mehrere Gaststarter sowie neue Fahrerpaarungen das Feld und sorgten für zusätzliche Spannung. Zu den besonderen Geschichten des Wochenendes gehörte die Rückkehr von Josef Sattler.
Der mehrfache Meister kehrte erstmals seit seinem Unfall in Schleiz 2023 wieder in ein Renngespann zurück. Sein ehemaliges 1000er-BMW-Gespann, das zuletzt im privaten Museum von Jürgen Röder (Bonovo) ausgestellt war, wurde für den Gaststart reaktiviert. Gemeinsam mit Wunschbeifahrer Luca Schmidt stand für Sattler vor allem die Freude am Rennsport im Vordergrund. Ebenfalls im Blickpunkt stand das deutsche Duo Thomas Eder/Kevin Kölsch, das den Red Bull Ring als Generalprobe für sein bevorstehendes Debüt in der Seitenwagen-Weltmeisterschaft nutzte.
Mit Sebastian Keitzer und Linda Cöster war zudem ein Fahrer am Start, der in dieser Saison erstmals regelmäßig Rennen der International Sidecar Trophy bestreitet und am Red Bull Ring weitere wichtige Erfahrungen sammelte. Insgesamt sorgten zahlreiche Gaststarter und neue Gespanne für zusätzliche Abwechslung im Feld.
Bereits am Samstag standen zwei freie Trainings sowie beide Qualifyings auf dem Programm. Bei hochsommerlichen Temperaturen um die 36 Grad verliefen sämtliche Sessions ohne nennenswerte Zwischenfälle. Josef Sattler und Luca Schmidt unterstrichen ihr gelungenes Comeback eindrucksvoll und sicherten sich bei ihrem Gaststart die Pole Position. Erst am Abend zog ein kräftiges Gewitter über Spielberg hinweg. Regen in der Nacht sorgte dafür, dass die Teams am Sonntagmorgen vor völlig veränderten Bedingungen standen.











Reifenpoker zum Sprintauftakt
Obwohl die Strecke bis zum Start des zwölfminütigen Sprintrennens am Sonntagmorgen größtenteils wieder abgetrocknet war, blieb die Reifenwahl ein echtes Pokerspiel. Einige Teams vertrauten auf Slicks, andere entschieden sich für Regenreifen – eine eindeutige Lösung gab es angesichts der Mischbedingungen nicht. Den besten Start erwischten Pole-Setter Josef Sattler und Luca Schmidt. Das BMW-Gespann setzte sich unmittelbar nach dem Start an die Spitze und kontrollierte das Rennen von Beginn an.
Die Führung gaben sie bis ins Ziel nicht mehr ab und feierten einen souveränen Start-Ziel-Sieg.
Dahinter sortierte sich das Feld zunächst mit Werkstetter/Pirat, Roscher/Burkard, Wirth/Billich, Eder/Kölsch, Cable/Druel, Kranenburg/Sedlacek und Herpel/Siemß ein. Während Sattler an der Spitze seinen Vorsprung kontinuierlich ausbauen konnte, entwickelten sich im Verfolgerfeld zahlreiche spannende Positionskämpfe.
Besonders im Mittelfeld wurde den Zuschauern sehenswerter Sidecarsport geboten. Mehrfach wechselten die Positionen zwischen Bell/Marklin und Brouwer/ter Steeg sowie zwischen Kranenburg/Sedlacek und Herpel/Siemß. Für Begeisterung sorgte außerdem das packende Duell zwischen Volland/Gubernath und Kindermann/Kindermann, die sich auf der Start-Ziel-Geraden und bis hinauf zur ersten Bergpassage über mehrere Runden hinweg im Kopf-an-Kopf-Duell nichts schenkten.
An der Spitze ließ sich Josef Sattler den Sieg nicht mehr nehmen. Hinter ihm sicherten sich Werkstetter/Pirat Rang zwei und Cable/Druel den dritten Platz. Wirth/Billich und Eder/Kölsch komplettierten die Top fünf. Für das österreichische Duo Eder/Kölsch war das Ergebnis zugleich eine gelungene Generalprobe vor dem anstehenden Debüt in der Seitenwagen-Weltmeisterschaft.
Ebenfalls zufrieden durfte das Team Herpel/Siemß sein. Nach dem Überschlag in Rijeka und der verletzungsbedingten Pause feierte Beifahrerin Luca Siemß ihr Comeback. Mit einer konstanten Fahrt sammelte das Duo wichtige Meisterschaftspunkte und baute die Führung in der Trophy 600-Wertung weiter aus. Jedoch sahen nicht alle Teams die Zielflagge.Franz Kapeller und Markus Billich mussten ihr Gespann aufgrund einer defekten Zündspule vorzeitig abstellen. Das Problem hatte das Team bereits während des gesamten Wochenendes begleitet und führte schließlich zum einzigen technischen Ausfall des Sprintrennens.
Goldlauf: Sattler krönt sein Comeback mit Doppelsieg – Eder/Kölsch feiern Premiere
Zum Goldlauf am Sonntagnachmittag präsentierte sich der Red Bull Ring von seiner sommerlichen Seite. Nach den wechselhaften Bedingungen am Morgen war die Strecke vollständig abgetrocknet. Strahlender Sonnenschein und hohe Temperaturen verlangten den Fahrern und Material noch einmal alles ab.
Den besten Start erwischte erneut Josef Sattler und Luca Schmidt, doch auch Enrico Wirth und Ronja Billich kamen hervorragend von der Linie und versuchten bereits in der ersten Kurve sich innen reinzudrücken. Der Angriff blieb jedoch ohne Erfolg und kostete das Duo zunächst einige Positionen. Auch Patrick Werkstetter und Valentin Pirat gingen das Rennen offensiv an. Sie setzten sich zunächst an die Spitze des Feldes und konnte sich vor Roscher/Burkhard behaupten.
Dahinter reihten sich Eder/Kölsch, Wirth/Billich, Cable/Druel und Herpel/Siemß ein. Während sich an der Spitze eine Führungsgruppe bildete, entwickelten sich im Mittelfeld erneut packende Positionskämpfe. Für viel Unterhaltung sorgte eine eng beieinander fahrende Fünfergruppe mit Schröder/Zimmermann, Kindermann/Kindermann, Volland/Gubernath, Brouwer/ter Steeg und Kapeller/Billich. Über mehrere Runden hinweg wechselten die Positionen immer wieder, die Gespanne fuhren teils zu dritt oder viert nebeneinander durch die Kurven und schenkten sich keinen Meter.
Patrick Werkstetter führte schließlich die ersten Rennrunden an. Wie Josef Sattler nach dem Rennen erklärte, war dies durchaus Teil einer Strategie. Er ließ den Yamaha-Piloten zunächst bewusst gewähren, damit dieser wertvolle Führungskilometer sammeln konnte und die Chance hatte sich von dem 1000er BWM-Gespann abzusetzen. Anschließend übernahm Sattler jedoch wieder die Spitze und setzte sich kontinuierlich vom Feld ab.
Für Werkstetter nahm das Rennen jedoch ein unerwartetes Ende. Nachdem das Gespann zunächst etwas zurückgefallen war, kämpfte sich das Duo wieder nach vorne. Kurz darauf ging auch Thomas Eder vorbei. Wenige Runden vor Rennende zwang schließlich eine abgesprungene Kette das bis dahin stark fahrende Gespann zur Aufgabe. Davon profitierten insbesondere Thomas Eder und Kevin Kölsch. Das Duo fuhr auf den zweiten Gesamtrang und sicherte sich damit gleichzeitig den Sieg in der 600er-Klasse. Für Eder/Kölsch war es ein besonderes Wochenende: Bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt in der International Sidecar Trophy gelang ihnen auf Anhieb der Klassensieg – ein starkes Ausrufezeichen unmittelbar vor ihrem bevorstehenden Debüt in der Seitenwagen-Weltmeisterschaft. Als Gaststarter wurde erhält das Duo jedoch keine Punkte in der Trophy-Wertung.
Auch dahinter blieb das Rennen bis in die Schlussphase spannend. Kapeller/Billich arbeiteten sich nach einem verhaltenen Start wieder nach vorne und hatten Anschluss an die Gruppe um Kindermann/Kindermann, ehe erneut die bereits das gesamte Wochenende anfällige Zündspule ihren Dienst quittierte und das Rennen vorzeitig beendete.
Für Damaschke/Grunow endete der Goldlauf ebenfalls mit einem technischen Defekt, nachdem eine Bremse festgegangen war. Auch Preuß/Dirnthaler mussten ihren Seitenwagen aufgrund anhaltender technischer Probleme abstellen. Das Team kämpfte bereits seit Längerem mit Schwierigkeiten in der Leistungsentfaltung beziehungsweise Kraftübertragung in Rechtskurven und sah erneut nicht die Zielflagge.
Spannend blieb es auch im Kampf um die weiteren Platzierungen. Vinet/Marsal nutzten die Schlussphase, um noch an Kranenburg/Sedlacek vorbeizugehen. Für einen der spektakulärsten Momente des Rennens sorgten jedoch Wirth/Billich. Beim Überrunden verloren Mike Roscher und Anna Burkard wertvolle Meter hinter zwei langsameren Gespannen. Enrico Wirth erkannte die Situation sofort und setzte mit einem mutigen Außenmanöver gleich an drei Gespannen vorbei – den beiden Überrundeten sowie Roscher/Burkard – und sicherte sich damit noch den dritten Gesamtrang und erntete die vollen Punkte in der Trophy 600-Wertung.
An der Spitze ließ sich Josef Sattler und Luca Schmidt den Sieg nicht mehr nehmen. Mit seinem zweiten Erfolg des Wochenendes krönte der mehrfache Meister sein viel beachtetes Comeback am Red Bull Ring. Gemeinsam mit den zahlreichen spannenden Positionskämpfen im gesamten Feld bildete der Goldlauf einen würdigen Abschluss eines abwechslungsreichen Rennwochenendes der International Sidecar Trophy in Spielberg.
International Sidecar Trophy thrills at the Red Bull Ring
With a field of 27 sidecar outfits, the International Sidecar Trophy returned to the Red Bull Ring as part of the 23rd Rupert Hollaus Memorial Race, delivering an exciting weekend of racing. Alongside the regular Trophy competitors, several guest entries and new rider pairings added even more variety and excitement to the grid.
One of the weekend’s special stories was the return of Josef Sattler. The multiple champion competed in a sidecar race for the first time since his accident at Schleiz in 2023. His former 1000cc BMW outfit, which had been on display in the private museum of Jürgen Röder (Bonovo), was brought back into action especially for this guest appearance. Together with his preferred passenger Luca Schmidt, Sattler’s main objective was simply to enjoy racing again.
Another team attracting plenty of attention was the German pairing Thomas Eder and Kevin Kölsch, who used the Red Bull Ring as their final preparation before making their FIM Sidecar World Championship debut.
Sebastian Keitzer and Linda Cöster also continued to gain valuable experience. Keitzer is contesting International Sidecar Trophy events on a regular basis for the first time this season, and the Red Bull Ring provided another important opportunity to develop. Together with several guest teams, they added even more depth to the already competitive field.
Saturday featured two free practice sessions followed by both qualifying sessions. Despite temperatures reaching around 36°C, all sessions ran without any significant incidents. Josef Sattler and Luca Schmidt underlined the success of their comeback by claiming pole position. Later that evening, however, a heavy thunderstorm swept across Spielberg, with overnight rain completely changing the conditions for Sunday morning.
Tyre gamble in the Sprint Race
Although the circuit had largely dried before the start of Sunday’s 12-minute Sprint Race, tyre choice remained a real gamble. Some teams opted for slick tyres, while others trusted wet tyres, with no obvious correct decision under the mixed conditions.
Pole sitters Josef Sattler and Luca Schmidt made the perfect start. The BMW outfit immediately took the lead and controlled the race from the opening lap. They never relinquished first place and secured a commanding lights-to-flag victory.
Behind them, the order initially settled with Werkstetter/Pirat, Roscher/Burkhard, Wirth/Billich, Eder/Kölsch, Cable/Druel, Kranenburg/Sedlacek and Herpel/Siemß. While Sattler steadily increased his advantage, numerous battles developed throughout the chasing pack.
The midfield provided some of the best entertainment of the race. Positions changed repeatedly between Bell/Marklin and Brouwer/ter Steeg, as well as between Kranenburg/Sedlacek and Herpel/Siemß. Another highlight was the thrilling fight between Volland/Gubernath and Kindermann/Kindermann, who raced wheel-to-wheel along the start-finish straight and all the way up the opening section of the circuit for several laps.
Out front, Josef Sattler remained untouchable. Werkstetter/Pirat secured second place, followed by Cable/Druel in third. Wirth/Billich and Eder/Kölsch completed the top five. For the Austrian pairing of Eder and Kölsch, fifth overall represented another encouraging performance ahead of their upcoming World Championship debut.
Herpel/Siemß also had every reason to be satisfied. After their heavy accident in Rijeka and Luca Siemß’s injury-related absence, the team made a successful comeback, scoring valuable championship points and extending their lead in the Trophy 600 standings.
Not every team reached the finish. Franz Kapeller and Markus Billich were forced to retire after a faulty ignition coil, a problem that had troubled them throughout the entire weekend and ultimately resulted in the Sprint Race’s only technical retirement.
Gold Race: Sattler completes the double – Eder/Kölsch celebrate Trophy 600 victory
Sunday afternoon’s Feature Race took place under completely different conditions. Bright sunshine and high temperatures replaced the morning’s uncertainty, with the circuit now fully dry. Josef Sattler and Luca Schmidt once again made an excellent start, although Enrico Wirth and Ronja Billich also launched brilliantly and attempted an inside move into the opening corner. The attack was unsuccessful, costing the duo several positions.
Patrick Werkstetter and Valentin Pirat were equally aggressive off the line. They initially took the lead ahead of Roscher/Burkhard, followed by Eder/Kölsch, Wirth/Billich, Cable/Druel and Herpel/Siemß. While a leading group quickly emerged, fierce battles once again developed throughout the midfield.
One of the race highlights was a tightly packed five-way fight involving Schröder/Zimmermann, Kindermann/Kindermann, Volland/Gubernath, Brouwer/ter Steeg and Kapeller/Billich. For several laps the positions changed continuously, with three and sometimes even four outfits running side by side through the corners.
Werkstetter led the opening laps, but as Josef Sattler explained afterwards, this was all part of the plan. He deliberately allowed the Yamaha-powered outfit to lead for a while, giving Werkstetter the opportunity to gain valuable experience at the front and perhaps create a gap before Sattler used the superior performance of his 1000cc BMW to reclaim the lead. Once back in front, Sattler steadily pulled away.
Werkstetter’s race, however, ended in disappointment. After briefly dropping back, the team fought its way forward again before Thomas Eder overtook them. A few laps from the finish, a broken chain forced the impressive outfit into retirement. The biggest beneficiaries were Thomas Eder and Kevin Kölsch. They finished second overall while simultaneously claiming victory in the Trophy 600 class. It was an outstanding achievement, as the pair won their class at their very first International Sidecar Trophy event together, sending a strong message ahead of their imminent World Championship debut. As guest entrants, however, they were not eligible to score Trophy championship points.
Further back, the action continued right to the finish. Kapeller/Billich recovered well after a poor start and were closing on Kindermann/Kindermann before the same ignition coil failure ended their race once again. Damaschke/Grunow also retired after suffering a seized brake. Preuß/Dirnthaler were forced to park their sidecar because of persistent technical problems. The team has struggled with power delivery in right-hand corners for some time and once again failed to reach the finish.
The battle for the remaining positions stayed intense. Vinet/Marsal overtook Kranenburg/Sedlacek in the closing stages. One of the race’s most spectacular moments, however, came from Wirth/Billich. While Mike Roscher and Anna Burkhard lost valuable time behind two slower outfits during lapping traffic, Enrico Wirth seized the opportunity with a brave move around the outside, overtaking all three outfits in one manoeuvre to secure third overall and maximum Trophy 600 championship points.
At the front, Josef Sattler and Luca Schmidt remained in complete control. Their second victory of the weekend completed a remarkable comeback for the multiple champion and provided a fitting conclusion to an outstanding weekend of International Sidecar Trophy racing at the Red Bull Ring.
Text + Fotos: Doreen Müller-Uhlig
